Buchtipps

Martin Winter „Das Ende einer Illusion“


Um es gleich vorweg zu sagen: Martin Winter ist überzeugter Europäer, gerade deshalb liegt ihm viel daran das Erreichte zu konsolidieren. Was Europa in der Zukunft sein wird, hängt von seinen Bürgern und den Mitgliedsstaaten ab. Die Probleme einer Wirtschaft- und Währungsunion, durch die Verschiebung völlig unterschiedlicher Volkswirtschaften in einen Währungsraum, waren für Ökonomen absehbar, von der Politik teilweise bewusst unterschätzt.

Das Buch aufgeteilt in 12 Themenfeldern legt die Bereiche sehr kenntnisreich dar und bietet Lösungen an. Martin Winter ist als langjähriger Brüssel-Korrespondent mit allen wichtigen Akteuren im ständigen Dialog und wie diese der Meinung, dass wir uns aus dem ständigen Krisenlabyrinth lösen müssen.

In seiner proeuropäischen  Analyse kommt der Autor zu dem Schluss, dass wir das Bestehende bewahren und uns an die eigenen Vorgaben halten müssen. Auch in der Eurokrise rät Winter zur Besonnenheit, auf den europäischen Idealismus muss ein gesunder Realismus folgen.   JH

 

Reiner Stach „Kafka – Die fruehen Jahre“


Nach den überaus gefeierten ersten zwei Bänden seiner Kafka-Biographie, schließt Reiner Stach sein großes Werk nun mit Kafkas Kindheit und Jugend, Studium und den ersten Berufsjahren ab.
Die Entfaltung von Kafkas Sprachtalent, seine Bildungserlebnisse, die Reifung seiner Sexualität und nicht zuletzt die Auseinandersetzung mit den neuen Entwicklungen sind die entscheidenden Eckpfeiler. Schon jetzt genießt diese nun vollständige Biographie den Ruf eines internationalen Standardwerks. Darüber hinaus wird ein facettenreiches, erzählerisch dichtes und farbiges Panorama Prags / Böhmens als Teil Habsburgs geboten. Der Leser erlebt eine brillante Darstellung des Zusammenlebens dreier Kulturen in dieser europäischen Geschichtsperiode.
Dieses Werk wurde zu Recht mit dem Hermito-von-Doderer-Literaturpreis ausgezeichnet.   JH

 

Kinderbücher

Sigrid Zeevaert
„Annabel und Anton“


ab 7 Jahren
Annabel ist wütend. So wütend, wie noch nie. Die ganze Welt ist gegen sie. Nichts darf man. Nicht zu laut sein, nicht die kleinen Brüder ärgern, nicht das tun, was man möchte…
Weglaufen. Ganz weit weg. Bis nach Afrika. Das scheint ein guter Plan zu sein. Aber auch der neue Nachbarsjunge, Anton,  erweist sich als gar nicht so schlechte Alternative zum Weglaufen.
Zu zweit, anstatt alleine ist manchmal schon genug.
Der neue Roman von Sigrid Zeevaert ist wirklich ein herzerwärmendes Buch über Freundschaft und die Innenwelt von Anton und Annabel. Ich konnte mich wunderbar in die Gedankenwelt der beiden hineinversetzen. Und dass es dort natürlich sehr lebendig zugeht und Zorn, Freude, Neugier manchmal ganz nah beieinander liegen, erklärt sich von selbst. Oft musste ich selber schmunzeln, wenn ich an meine eigenen Kindheitstage und verborgenen Gedanken zurückdachte.
Ein tolles Buch zum Vorlesen und auch zum ersten Selberlesen.  JM


Pija Lindenbaum
„Kommst du spielen, Frieda?“


ab 4 Jahren
Ein wirklich kindgerechtes Buch für die Kleinen. Im einfachen Ton und mit viel Witz erzählt Pija Lindenbaum von den Eigenarten zweier kleiner Mädchen, die am Anfang auch wirklich gar nichts gemeinsam zu haben scheinen.
Die Illustrationen haben mich persönlich besonders angesprochen, da sie die Geschichte auf wirklich eindrückliche Weise verbildlichen. Durch das Zusammenspiel von Text und Bild konnte ich mir einen guten Einblick in die emotionale Welt der zwei kleinen Mädchen verschaffen.  Ein schönes Kinderbuch ohne banal zu sein.   JM