Buchtipps

Neuerscheinung Jugendbuch

Ryan Graudin  „Walled City“


„Walled City“ von Ryan Graudin spielt in der Stadt Hak Nam, die voller Armut, Gewalt und Missbrauch ist. Dort kämpfen drei Jugendliche um ihr Überleben. Dai ist des Mordes angeklagt, ist jedoch unschuldig. Um dies zu beweisen, muss er das Notizbuch von Longwei klauen – dem berüchtigen Anführer der Bruderschaft des roten Drachen. Dazu braucht er Jin Ling, die als Junge verkleidet durch die Stadt streift, auf der Suche nach ihrer vom Vater an ein Bordell verkauften Schwester Mei Yee. Gemeinsam erledigen  Jin und Dai  für die Bruderschaft Aufträge und unterwandern sie so. Mei Yee sitzt währenddessen eingesperrt in ihrem Zimmer im Hauptquartier und weiß, es gibt eigentlich kein Entkommen. Doch ihr Zimmer hat im Gegensatz zu dem der anderen Zwangsprostituierten ein winziges, mit Gittern versehenes Fenster, an dem plötzlich der Kopf eines Jungen erscheint – Dai. Er verspricht, sie zu befreien, wenn sie ihm hilft, das Notizbuch zu stehlen. Doch dafür bleiben nur noch 18 Tage Zeit!

Es ist ein spannendes Buch, das mich sehr gefesselt hat und das ich einfach an einem Tag lesen musste. Es ist wie ein Countdown aufgebaut. Regelmäßig kommen Seiten, die die verbliebenen 18 Tage runterzählen. Das erhöht zum einen die Spannung, gliedert zum anderen das Buch übersichtlich. Ryan Graudin ist eine Autorin mit einem angenehmen, flüßig lesbaren Schreibstil, mit dem sie die Geschichte actionreich erzählt. Der Ort, in dem das Buch spielt, existierte wirklich unter dem Namen „Kowloon Walled City“. Jetzt ist er, genau wie später im Buch, ein Park in Hongkong.

 

Amelie B., 14 Jahre

 

Neue Sachbücher:

Andreas Rödder „21.0 – Eine kurze Geschichte der Gegenwart“
„21.0 ist ein historischer Crashkurs durch die Grundprobleme der Gegenwart: Wie sind sie entstanden und woher kommen sie? Was ist wirklich neu – und was sind die Muster, die wir aus der Geschichte kennen? Was sind die wichtigsten Entwicklungen der Gegenwart, und welche Richtungen zeichnen sich für die Zukunft ab?

Helmut Schmidt „Was ich noch sagen wollte“„Brauchen wir heute noch Vorbilder, und wenn ja, zu welchen Zielen sollen sie uns anleiten? Helmut Schmidt erzählt von Menschen, die ihn prägten und an deren Beispiel er sich bis heute orientirert.“

 

Werner Bätzing „Die Alpen“   

„Der bekannte Alpenforscher Werner Bätzing zieht Bilanz seiner über 35-jährigen Beschäftigung mit dem einzigartigen Natur- und Kulturraum der Alpen.“

 

 

Otfried Höffe „Kritik der Freiheit“

„Wie Höffe die Linien des modernen Freiheitsdenkens nachzeichnet und in eine zeitgemässe politische Ethik überführt, ist durchwegs beeindruckend.“

 

 

Christoph Nonn „Otto von Bismarck“

„Als Normalsterblichen nimmt ihn dieses Buch in den Blick und sucht nach dem Mann hinter den Legenden. Dabei wird deutlich, wie sehr dieser pragmatische Preuße ein Kind seiner Zeit war. So konsequent wie nie zuvort bettet Christopf Nonn den „Reichsgründer“ in die europäische Geschichte des 19. Jahrhunderts ein und konfrontiert ihn mit den Fragen unserer Zeit.“

 

 

Udo di Fabio „Schwankender Westen“

„Udo die Fabios Buch analysiert die Fundamente der westlichen Gesellschaft, zeigt deren Gefährdungen auf und plädiert für ein neues Gesellschaftsmodell. Untersucht werden die Auswirkungen, die instabile Finanzmärkte, die Griechenlandkrise oder der islamische Staat auf den Westen haben und Europa aus dem Tritt bringen.“

 

 

Rolf Lappert „Über den Winter“


Trotz der eher unterkühlten Kritik war dieses Buch doch mein persönlicher Favorit auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2015.

Zugegeben musste ich mich zwar durch die ersten 20 Seiten kämpfen, aber dies hat sich definitiv gelohnt und mir doch eines der besseren Letküre-Erlebnisse dieses Jahres beschert.

„Der fast 50-jährige Lennart Salm ist ein unsteter Charakter, ein erfolgreicher Aktionskünstler in der Öffentlichkeit und ein Verdränger vor dem Herrn im Privaten. Als seine älteste Schwester stirbt, kehrt er widerstrebend zurück in seine Heimatstadt Hamburg und trifft dort auf seine Familie, vor der er eigentlich geflohen war.“

Salm möchte dazugehören, sich irgendwie aus seiner selbstgewählten Isolation befreien, was ihm nicht wirklich zu gelingen scheint. Wir verfolgen Salm auf seinen Streifzügen durch seine Vergangenheit, beobachten ihn bei diversen Begegnungen, nehmen teil an seinen Gedanken und können uns nicht davor drücken, uns unsere eigenen dazu zu machen.

Angeblich ein Buch für die Kategorie „von Männern für Männer“, das nur so von Männlichkeit strotz.Stimmt nicht. Ein Buch für jedermann (Männer eingeschlossen:)  JM

 

Lena Andersson „Widerrechtliche Inbesitznahme“


Der aktuelle Roman von Lena Andersson „Widerrechtliche Inbesitznahme“ erzählt im sachlichen Stil, der leicht an eine Reportage erinnert und an den ich mich doch erst gewöhnen musste, von einer Frau, die einem Mann auf obsessive Weise verfällt.

Ester Nilson, Dichterin und Essayisten, bekommt den Auftrag einen Vortrag über den Künstler Hugo Rask zu halten. Im Vornhinein schon von ihm als Künstler beeindruckt wird diese Bewunderung durch ein Zusammentreffen mit Hugo Rask nur verstärkt. Ein unverbindliches Verhältnis nimmt seinen Lauf, in der Ester von einer vernunftgeleiteten zu einer gefühlsgesteuerten Protagonistin mutiert. „Widerrechtliche Inbesitznahme“, so könnte man die Beziehung zwischen Hugo und Ester treffend beschreiben.

Immer wieder habe ich mich über die Wortwahl mancher Episoden enorm amüsiert und im Grunde die Lektüre sehr genossen.

In Ester brodelt als Folge ihrer irrationalen Liebesabhängigkeit ein innerlicher Kampf zwischen Vernunft und Emotionen. Dieser ist sehr gut nachvollziehbar dargestellt. Und doch konnte ich über Ester zusammen mit ihrem „Freundinnenchor“ manchmal nur den Kopf schütteln.  JM

 

Hans-Dieter Rutsch „Das preussische Arkadien – Schlesien und die Deutschen“


„Jahrzehntelang war Schlesien fast vergessen. Dabei inspirierte diese Landschaft Johann Wolfgang Goethe, Caspar David Friedrich, Karl Friedrich Schinkel, Theodor Fontane und unzählige andere Künstler und Dichter; die preußischen Könige bauten Schlösser im Hirschberger Tal, das Riesengebirge war ein Sehnsuchtsziel der ersten Wanderer. Hans-Dieter Rutsch erzählt die Geschichte dieses „preußischen Arkadiens“, spürt den Schicksalen nach, die sich damit verbinden, und schildert die Wiederentdeckung einer der reichsten Kulturlandschaften Europas“
Die Lektüre des Buches hat mich so fasziniert, dass ich meine Urlaubsplanung für dieses auf das nächste Jahr verschoben habe und dafür eine Schlesien-Reise vorgezogen habe.
Ich habe es nicht bereut und gleich auf meiner ersten Polenreise überhaupt einen europäischen Kulturraum mit seiner wechselhaften Geschichte kennengelernt. Neben der Metropole Breslau (Wroclaw), Kulturhauptstadt 2016, warteten mittlere und kleine Städte und Schlösser entdeckt zu werden.  JH

 

Kristine Bilkau „Die Glücklichen“


Eine junge Familie kurz nach der Geburt Ihres ersten Sohnes. Scheinbar haben Isabell und Georg alles, um glücklich zu sein. Ein gesichertes Leben, Gesundheit, Liebe, Erfolg…
Doch mit der Geburt von Matti wächst nicht nur das Glück, sondern auch die Verunsicherung: Für Isabell, Cellistin, erweist sich die Rückkehr in den Beruf schwieriger als gedacht. Bei Auftritten zittern Ihr die Hände, und damit hält auch die Angst Einzug in das junge Familienglück. Die berufliche Zukunft scheint unsicher und mit dieser werden auch existentielle Fragen aufgeworfen. Worauf kann und will man verzichten?
Was braucht man, um glücklich zu sein?
Diese Fragen stehen im Mittelpunkt des Romans und berühren damit ein Thema, mit dem sich jeder schon mal auf die eine oder andere Weise auseinandergesetzt hat. Mich hat dieser Roman definitiv zum Nachdenken angeregt. Eine große Hilfe war dabei, dass ich mich persönlich sehr gut in Isabell und ihre Ängste hineinversetzen konnte.
Für wen sind Zukunftsängste denn wirklich ein Fremdwort?
Ein wunderbarer Roman. Ein wunderbares Debüt, bei dem man gerne über kleine Längen hinwegsieht.   JM

 

Doerte Hansen „Altes Land“


Vertrieben aus Ostpreußen verschlägt es  Hildegard von Kamicke mit  ihrer kleinen Tochter Vera auf den Hof von Ida Eckhoff im „Alten Land“.

Als Flüchtlinge nicht willkommen  kämpft sie ohne Demut  um einen Platz für sich und ihre Tochter in der Fremde, heiratet den aus dem Krieg heimgekehrten Sohn des Hofes. Schon bald flüchtet sie allein nach Hamburg und lässt Ihre Tochter bei dem kriegstraumatisierten Karl zurück. Vera fühlt sich dem angetretenen Erbe in der neuen Heimat verpflichtet, ohne je richtig heimisch zu werden und führt ein einsames Leben, bis ihre Nichte Anne mit ihrem kleinen Sohn auftaucht.  Sie ist auf eine andere Art  ebenfalls Flüchtling und  heimatlos. Eine warmherzig erzählte Familiengeschichte mit viel Witz und Tiefgang, für die ich zugegeben einen zweiten Anlauf benötigte, aber die mich dann umso mehr gefesselt und beindruckt hat.   SH

 

Karin Tuil „Die Gierigen“


Was sich auf dem Klappentext zunächst recht trivial anliest: Zwei Männer, eine Frau, eine leidenschaftliche „menage à trois“  …war für mich ein sehr spannender zeitgenössischer Roman aus Frankreich mit vielen aktuell relevanten Themen.

Ich habe  den Werdegang der 3 Protagonisten, deren Lebensentwürfe, Ideale  und was davon nach 20 Jahren übrig bleibt, gespannt verfolgt. Ein Geschichte des Scheiterns  in unserer heutigen Gesellschaft,  aber dieses Scheitern, so hofft man am Ende, birgt auch einen Neuanfang.
Achtung, ein  Roman mit Sogwirkung, ich konnte in fortgeschrittenem Lektürestadium, das Buch nicht mehr weglegen.  SH

 

Martin Winter „Das Ende einer Illusion“


Um es gleich vorweg zu sagen: Martin Winter ist überzeugter Europäer, gerade deshalb liegt ihm viel daran das Erreichte zu konsolidieren. Was Europa in der Zukunft sein wird, hängt von seinen Bürgern und den Mitgliedsstaaten ab. Die Probleme einer Wirtschaft- und Währungsunion, durch die Verschiebung völlig unterschiedlicher Volkswirtschaften in einen Währungsraum, waren für Ökonomen absehbar, von der Politik teilweise bewusst unterschätzt.

Das Buch aufgeteilt in 12 Themenfeldern legt die Bereiche sehr kenntnisreich dar und bietet Lösungen an. Martin Winter ist als langjähriger Brüssel-Korrespondent mit allen wichtigen Akteuren im ständigen Dialog und wie diese der Meinung, dass wir uns aus dem ständigen Krisenlabyrinth lösen müssen.

In seiner proeuropäischen  Analyse kommt der Autor zu dem Schluss, dass wir das Bestehende bewahren und uns an die eigenen Vorgaben halten müssen. Auch in der Eurokrise rät Winter zur Besonnenheit, auf den europäischen Idealismus muss ein gesunder Realismus folgen.   JH

 

Reiner Stach „Kafka – Die fruehen Jahre“


Nach den überaus gefeierten ersten zwei Bänden seiner Kafka-Biographie, schließt Reiner Stach sein großes Werk nun mit Kafkas Kindheit und Jugend, Studium und den ersten Berufsjahren ab.
Die Entfaltung von Kafkas Sprachtalent, seine Bildungserlebnisse, die Reifung seiner Sexualität und nicht zuletzt die Auseinandersetzung mit den neuen Entwicklungen sind die entscheidenden Eckpfeiler. Schon jetzt genießt diese nun vollständige Biographie den Ruf eines internationalen Standardwerks. Darüber hinaus wird ein facettenreiches, erzählerisch dichtes und farbiges Panorama Prags / Böhmens als Teil Habsburgs geboten. Der Leser erlebt eine brillante Darstellung des Zusammenlebens dreier Kulturen in dieser europäischen Geschichtsperiode.
Dieses Werk wurde zu Recht mit dem Hermito-von-Doderer-Literaturpreis ausgezeichnet.   JH