Buchtipps

Christopf Ransmayr „Cox“

Der Versuch die die Zeit mit einer zeitlosen Uhr zu erfassen, ist das zentrale Thema des neuen Romans „Cox – oder der Lauf der Zeit“

Cox ist der berühmteste Uhren- und Automatenbauer seiner Zeit. Sein Ruf ist aus London an die Königshöfe Europas des 18. Jahrhunderts gelangt, in deren Auftrag er die perfektesten und kostbarsten Uhren und Präzisionswerke baut. Als Geschenke der Ostindiengesellschaft sind diese vollkommenen Kunstwerke bis zu Quionlong, dem allmächtigen Kaiser von China, gelangt.

Der Kaiser ein Liebhaber und Sammler von Uhren und anderen machanischen Meisterwerker schickt zwei Gesandte, um Cox mit seinen wichtigsten Mitarbeitern nach Peking in die Verbotene Stadt einzuladen.

So wie die Uhren von Cox ist dieser Roman von Ransmayr ein Meisterwerk an Schönheit der Sprache und Vergänglichkeit der Zeit.

Der größte Wunsch des Kaisers ist eine Uhr für die Ewigkeit.

Eines der schönsten Bücher dieses Jahres. JH

 

Christian Kracht „Die Toten“

Anhand von zwei Erzählsträngen führt uns Christian Kracht in seinem neuen Roman „Die Toten“ die Filmkultur der 30er Jahre vor Augen.

Erzählt wird einerseits die Geschichte von Emil Nägeli, einem schweizerischen Regisseur, der zur Festigung der deutsch-japanischen Verbindung einen deutschen Film in Japan drehen soll. Andererseits erfahren wir von Masahiko Amakasu, der in Japan ein Komplott gegen die internationale Allmacht des Hollywoodfilms vorbereitet.

Im Vordergrund der beiden Schauplätze Berlin und Japan treffen wir auf historische Personen, wie Charlie Chaplin, Sigfried Kracauer und Lotte Eisner.

Dass der Roman sich nur schemenhaft an wirkliche Begebenheiten hält, tut dem Buch keinen Abbruch, da er einen doch dazu inspiriert, sich den einen oder anderen Film der 30er Jahre wieder anzuschauen und sich auch näher mit den realen Persönlichkeiten wie Kracauer auseinander zu setzen.

Ein empfehlenswerter Roman, nicht nur aufgrund seiner wirklich schönen Sprache.

 

Martin Mosebach „Mogador“

Mogador – die alte Bezeichnung der berühmten marokkanischen Küstenstadt „Essaouira“ ist der Titel des neuen Romans des mit vielen Literaturpreisen ausgezeichneten Autors Martin Mosebach.

Die Geschichte beginnt in einem Hammam, in dem sich der junge Investmentbanker und Finanzjongleur im doppelten Sinne zu läuten versucht.

Persönlich aus kleinen Verhältnissen stammend hat Patrick Elff die aus großbürgerlicher Familie stammende Pilar geheiratet. Als unabhängige Immobilienmaklerin arbeitet sie ohne Erfolgsdruck ihren Zielen entgegen.

Patrick als promovierter Philologe ist über Umwege zum Unternehmensberater einer renommierten Düsseldorfer Bank geworden und hat sich dort zielstrebig ins mittlere Management hochgearbeitet.

Sein wichtigster Kunde ist der international agierende marokkanische Geschäftsmann Pereira, der ihn bei einem Essen in einem exklusiven Pariser Restaurant derart beeindruckt, dass er für ihn die Abwicklung eines „Geschäfts“ mit der Ukraine übernimmt. Obwohl es Patrick bei genauerem Hinsehen klar sein muss, dass hier Korruption im Spiel ist, lässt er sich vom Charisma seines Auftraggebers Pereira so beeindrucken, dass er wie schlafwandlerisch die gewünschten Transaktionen ausführt. Nachdem ein etwas unangenehmer Untergebener Patricks erhängt aufgefunden wird, bei dem Buchungen auftauchen, die weit über seine Zuständigkeiten hinausgehen, beginnt sich nicht nur die Presse sondern auch die Polizei für die Angelegenheit zu interessieren. Bei einem Pressegespräch ergreift Patrick Panik, er springt aus dem Fenster, besteigt ein Taxi, lässt sich nach Brüssel zum Flughafen chauffieren und fliegt von Zaventem nach Marrokko. Er begibt sich nach Mogador, da auch sein großer Auftraggeber Pereira aus Mogador stammt, wo er gelegentlich in seinem eigenen Luxushotel residiert. Mosebachs Schilderungen der für Patrick völlig fremden Welt fasziniert durch ihre sprachliche Exaktheit.

Wer diesen neuen Roman Mosebachs beginnt, wird so fasziniert sein, dass er die spannungsgeladene Geschichte geradezu aufsaugen wird.

 

Juli Zeh „Unterleuten“


Nach ihrem Debütroman „Adler und Engel“, erschienen 2001, mittlerweile in 35 Sprachen übersetzt und ein Welterfolg, legt die 1974 in Bonn geborene, derzeit in Brandenburg lebende Autorin, einen brillant geschriebenen Gesellschaftsroman vor.

Aus unterschiedlichen Beweggründen treffen der Großstadt überdrüssige Städter im  ca 100 km von Berlin entfernten Ort „Unterleuten“ auf die alteingesessene Bevölkerung,  die sich seit ewig kennen und in Freund- und Feindschaft miteinander verbunden sind. In diesem Mikrokosmos leben starke Charaktere, wie Kron, Altkommunist und Wendeverlierer, der gegen die Ungerechtigkeit der neuen Zeit Stellung bezieht und die alten LPG-ler hinter sich weiß. Sein historischer Gegenspieler Gombrowski stammt aus der Familie der alten Großgrundbesitzer des Ortes, der wie die Kleinbauern ebenfalls in die LPG gezwungen wurde und seinen Familienbesitz nach der Wende zurückerhält und mit seinem Betrieb der größte Arbeitgeber im Ort ist. Aber auch die Neubürger haben ganz unterschiedliche Interessen, vom Leiter des Vogelschutzbundes Gerhard Fließ bis zur Pferdeflüsterin Linda Franzen. Mit der Planung eines Windparks trifft die Energiewende auf Unterleuten. Handfeste materielle Interessen treffen nun zusätzlich auf die unterschiedlichen Personen und Gruppen. Juli Zeh kann bescheinigt werden einen hervorragenden, äußerst spannenden und unterhaltsamen, in weiten Strecken auch humorvollen Roman geschrieben zu haben. Trotz der 600 Seiten, eine sehr kurzweilige Lektüre.  JH

 

Paul Mason „Postkapitalismus „


Paul Mason vertritt in seinem Buch „Postkapitalismus -Grundrisse einer kommenden Ökonomie“ die These: Wir stehen vor etwas Neuem. Wir haben unsere Welt durch Unterlassung und hinhaltendem Verhalten in vor allem drei  Kernbereichen, dem Klima, der Demographie und den Finanzen, in eine Situation gebracht, die das Risiko schwerer Erschütterungen in sich birgt. Es sieht so aus als würden sich die Folgen dieser drei sich gegenseitig noch verstärkenden Hauptprobleme auf Grund der Grenzen der menschlichen Willenskraft noch dramatisch verschärfen. Der Druck auf Veränderungen wird in den kommenden Jahrzehnten so zunehmen, dass sich zwangsläufig entscheidende Veränderungen einstellen werden. Wenn wir Einfluss auf die Gestaltung nehmen wollen, müssen wir Position beziehen.
Dieses Buch stellt themenübergreifend viele Fakten dar, welche dringend notwendige Diskussionen auslösen werden. JH

 

Irmgard Keun „Kind aller Länder“


Eine interessante Wiederentdeckung  und kurzweilig zu lesen ist der 1938 in Amsterdam erschienene Exilroman „ Kind aller Länder“ von Irmgard Keun . Nach der Lektüre von  Volker Weidermanns kenntnisreichen  Buch „Ostende 1936. Sommer einer Freundschaft“  ist unschwer der autobiographische Bezug  in diesem Roman zu erkennen. Kully, ein kleines aufgewecktes Mädchen,  erzählt vom rast-und ruhelosen,  aufregenden  Leben ihrer  Familie im Exil.  Der  Vater , ein bekannter Schriftsteller und Journalist, muss Deutschland verlassen , seine Bücher  sind dort verboten , zusammen mit Frau  und Kind reist er quer durch Europa bis nach Amerika,  immer  auf der Suche nach neuen Geldgebern  und Sponsoren für seine Buchprojekte, immer in der Sorge um Visa und gültige Ausweisdokumente . Sobald  das  Geld aufgetrieben, ist  es  verschwenderisch  wieder ausgegeben. Frau und Kind bleiben oft mittellos  „als Pfand“ in den Hotels von Brüssel , Ostende, Amsterdam usw. zurück , die Gläubiger vertröstend,  und auf den Vater wartend .Kully ist oft auf sich  allein gestellt und so erkundet sie mit kindlicher Neugier und Unbefangenheit  ihre Umwelt  und versucht sie sich zu erklären und zu deuten, daraus entsteht ein bewegendes Zeitdokument mit beklemmend aktuellen Bezügen.SH

 

Hans-Dieter Rutsch „Das preussische Arkadien – Schlesien und die Deutschen“


„Jahrzehntelang war Schlesien fast vergessen. Dabei inspirierte diese Landschaft Johann Wolfgang Goethe, Caspar David Friedrich, Karl Friedrich Schinkel, Theodor Fontane und unzählige andere Künstler und Dichter; die preußischen Könige bauten Schlösser im Hirschberger Tal, das Riesengebirge war ein Sehnsuchtsziel der ersten Wanderer. Hans-Dieter Rutsch erzählt die Geschichte dieses „preußischen Arkadiens“, spürt den Schicksalen nach, die sich damit verbinden, und schildert die Wiederentdeckung einer der reichsten Kulturlandschaften Europas“
Die Lektüre des Buches hat mich so fasziniert, dass ich meine Urlaubsplanung für dieses auf das nächste Jahr verschoben habe und dafür eine Schlesien-Reise vorgezogen habe.
Ich habe es nicht bereut und gleich auf meiner ersten Polenreise überhaupt einen europäischen Kulturraum mit seiner wechselhaften Geschichte kennengelernt. Neben der Metropole Breslau (Wroclaw), Kulturhauptstadt 2016, warteten mittlere und kleine Städte und Schlösser entdeckt zu werden.  JH